Im
August des Jahres 1909 wurde mit dem Bau der Anlage
begonnen und bereits im Dezember wurde die Erzeugung von elektrischem
Strom aufgenommen. Mit der gewonnenen Energie konnten insgesamt etwa 50 -
60 Häuser in den Ortsteilen Viechtwang, Mühldorf und Scharnstein
versorgt werden.
Im
Zuge der Stromversorgung wurden sowohl mit der Gemeinde als auch mit
privaten Grundeigentümern Verträge zur Verlegung von elektrischen
Leitungen und zur Errichtung von Strommasten abgeschlossen. In diesem
"Revers" mit der Gemeinde Viechtwang verpflichtete sich KFD
"den Strom für 3 elektrische Lampen bis zu 16 Normalkerzen für die
Straßenbeleuchtung umsonst zur Verfügung zu stellen". Als im Jahr
1934 dieser Vertrag um weitere 25 Jahre verlängert wurde, ist von
Gratisstrom "für die derzeit bestehenden und noch allfällig zu
errichtenden Straßenlampen bis zu einem Höchstausmaß von 20 Lampen á
40 Watt" zu lesen. Das gesamte Leitungsnetz wurde damals für 700
gleichzeitig brennende Glühlampen mit 50 Watt berechnet. Dies entspricht
heute dem ungefähren Leistungsbedarf von 20 Haushalten.
Etwa
30 Jahre lang brauchte die Kapazität nicht erhöht werden, da sich die
Bevölkerung mit Lichtstrom begnügte und die Bedeutung von Kraftstrom
noch nicht erkannt worden war. Erst im Jahre 1939 folgte eine weitere
Wasserkraftstufe an der Alm. Das ehemalige Sägewerk "Lahnsäge"
in der Steinbachbrücke wurde als automatisch überwachte
Stromerzeugungsanlage ausgebaut, was eine Steigerung der erzeugten
Leistung um 80 kW (109 PS) zur Folge hatte.
Der
nächste Ausbau der Wasserkraft zur Stromversorgung von Scharnstein
erfolgte 1942, als das Wasserrad im Sägewerk Almau
durch eine Turbine (50 kW) ersetzt und diese mit einem Generator
ausgerüstet wurde. Ebenso wurde im Jahre 1945 die ehemalige Strassersäge
in ein Wasserkraftwerk umgewandelt und in das Stromversorgungsnetz
eingebunden. 1963 wurde diese Anlage durch Zusammenlegung mit der
Kraftwerksstufe Lahnsäge
stillgelegt.
Während
des Zweiten Weltkrieges erfolgte im Rahmen der sogenannten
"Kupferaktion"- Kupfer wurde in großem Umfang in der
Rüstungsindustrie benötigt - der allmähliche Ausbau von Kupfer aus den
Leitungsnetzen. Als Ersatz wurde größtenteils Stahl verwendet, was
jedoch eine beträchtliche Verminderung der Übertragungskapazität zur
Folge hatte.
Der
ständig steigende Strombedarf veranlasste das Elektrizitätswerk
Scharnstein (KFD) eine weitere Wasserkraftstufe an der Alm zu errichten,
etwa 1 km flussaufwärts des Kurzböckstegs. Im Jahre 1953 wurde mit dem
Bau des Elektrizitätswerkes am Äußeren Grubbach
begonnen und zu Beginn des darauffolgenden Jahres wurde es in Betrieb
genommen.
Zu
dieser Zeit gab es im Gemeindegebiet von Scharnstein noch etliche Häuser
(ca. 20) die ohne elektrischen Strom das Auslangen fanden. Diese lagen
größtenteils auf den Höhen des Hacklberges (Schöberlbauer) bzw.
Hamberges (Hambauer: Stromanschluß 1968) und im obersten Hauergraben.
In
den 70-er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden zwei zusätzliche
Stromerzeugungsanlagen (Kraftwerk Schwarzmühle
und Kraftwerk Matzingau)
gebaut, da der Stromverbrauch im Versorgungsgebiet seit 1960 auf das
Vierfache angestiegen war. Die Anlagen, die für den halbautomatischen
Betrieb ausgerüstet sind, werden von der Schaltwarte in der Almau
überwacht und zum Teil ferngesteuert. Mit der Errichtung einer modernen
Rundsteuerungsanlage im Jahr 1975 konnten Nachtspeichergeräte, die
Straßenbeleuchtung und ähnliches automatisch von der Zentrale aus- bzw.
eingeschaltet werden.
Bis
zum Jahr 1976 führte KFD die Versorgung von Scharnstein im sogenannten
Inselbetrieb aus, d. h. sie war nicht an das Netz der damaligen OKA
angeschlossen. Erst mit dem Bau des Kraftwerkes Matzingau
und dessen Umspannanlage wurde eine Leitungsverbindung mit der OKA (jetzt:
Energie AG) hergestellt. Diese Leitung diente in erster Linie zur
Lieferung von Überschussenergie an die Landesgesellschaft. Andererseits
wird dadurch auch die Stromversorgung in wasserarmen Zeiten
gewährleistet.
Seit
Beginn der 80-er Jahre übt der Umweltschutz verstärkten Einfluss auf die
E Wirtschaft aus. Dies führte dazu, dass für Kraftwerksbauten größere
Umweltauflagen erlassen wurden, sodass der Ausbau der Wasserkraft fast zum
Erliegen gekommen ist. Seitdem beschäftigte sich KFD vor allem mit
Instandhaltungsarbeiten und mit dem Ausbau und der Modernisierung des
Leitungsnetzes. So wurden in größerem Ausmaß anstelle von Freileitungen
Kabel verlegt, was eine größere Sicherheit in der Stromversorgung
bedeutet. Zur Zeit verfügt KFD über 56 km Freileitungen im Hoch- und
Niederspannungsnetz, über 130 km Erdkabel (Hoch- und Niederspannung) und
43 Trafostationen.
Das
KFD-Versorgungsgebiet
ist ungefähr 33 km² groß und umfasst den Großteil des Gemeindegebietes
von Scharnstein, sowie Randgebiete der Nachbargemeinden Pettenbach,
Kirchham, Vorchdorf, Steinbach/Zbg. und Grünau mit insgesamt etwa 2000
Stromabnehmeranlagen. Der gesamte Strombedarf beträgt derzeit mit ca. 17
GWh rund das Doppelte des Jahres 1980.
Im
Jahr 2004 wurde mit dem Bau der Umspannstation "Mühldorf", und
einem weiteren Anschlusspunkt an das Netz der Energie-AG ein wesentlicher
Schritt zu einer Verbesserung der Versorgungssicherheit getätigt.
Nach
jahrelanger Verzögerung folgten 2005 mit dem Baubeginn der
Wasserkraftwerke Geyerhammer
in Scharnstein und Mühltalwehr
in Vorchdorf schlussendlich zwei weitere Ausbaustufen an der Alm. Im Fall
des E-Werk Geyerhammer handelt es sich um eine Wasserkraftanlage beim
Geyerhammermuseum. Da dieses Gebäude unter Denkmalschutz steht, wurde vom
Obmann des Kulturvereines der Vorschlag gemacht, mit einem Ideenwettbewerb
nach einer Lösung für das Kraftwerksgebäude zu suchen. Unter
Beteiligung von Studenten der Architekturklasse von Prof. DI Wolfgang Prix
(Architektengruppe COOP Himmelblau) an der ehemaligen Hochschule für
Angewandte Kunst in Wien wurde der Wettbewerb 1994 durchgeführt. Bei der
Preisverleihung, an der auch Vertreter der Gemeinde und des Kulturvereins
teilgenommen haben, wurden die Projekte vorgestellt und der Vorschlag
einer jungen Studentin prämiert; die angefertigten Modelle wurden später
im Museum Geyerhammer ausgestellt.
An
der Alm befinden sich heute acht Wasserkraftwerke - fünf davon im
Gemeindegebiet von Scharnstein - die Eigentum von KFD sind und für die
regionale Stromversorgung herangezogen werden. 13
weitere Kleinkraftwerke - im Besitz von privaten Eigentümern -
liefern den nicht für den Eigenbedarf benötigten Strom in das KFD-Netz
ein.
Nicht
zuletzt hat auch bei den Kraftwerksbetreibern weitgehend ein Umdenken
eingesetzt. Während früher ausschließlich die Wirtschaftlichkeit beim
Ausbau der Wasserkraft im Vordergrund des Interesses stand, wird heute der
Umweltverträglichkeit der gleiche Stellenwert eingeräumt. So bestehen
berechtigte Hoffnungen, dass das Ökosystem Alm auch für spätere
Generationen erhalten bleibt. Unsere schöne Gegend ist es wert behütet
und geschützt zu werden, um Natur auch in Zukunft erleben zu können.
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